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GÜNTER L U D W I G...einfach nur Zeichner
Ein Buch entsteht: "Abschied"

Gabriele Hindemitt-Ludwig Vorwort 1
Abschied – Skizzen zu einem Vorwort


Uns wurde bald, nachdem Günter das Thema „Abschied“ als Motto eines Buches zur Sprache gebracht hatte, vorgeschlagen, doch lieber einen anderen Titel zu wählen, der zwar auch dasselbe Thema beinhaltet, aber vom Wort her „netter“ klinge. Mir war gleich klar, das das nicht in Frage kam, nicht den Kern traf. Natürlich, das Wort A b s c h i e d ist sehr klar, es lässt keine Verbrämungen zu, kein Schönreden, keine Verrenkungen. Und gerade das ist es, was mir gefällt, auch wenn es nicht gefällig ist und was, so glaube ich, uns allen gut tut: Klarheit. Und in der Klarheit dieses Wortes liegt für mich auch seine ureigene Schönheit.
Es ist echt, authentisch, und es lässt so viele Regungen, Gefühle und Geschichten zu.
Meistens verbinden wir das Wort Abschied mit schmerzlichen Gefühlen und die beinhaltet es auch immer ein Stück. Aber wir haben auch die mögliche Schönheit des Schmerzes verloren und vergessen. Für mich ist er z.B. schön, wenn er mit Wehmut verbunden ist. Das ist eine Gefühlsregung, die die Seele gleichzeitig schmerzlich erinnert und zart streichelt in einem Anflug von Wiedererleben des Verlorenen.
Abschied begleitet uns ein Leben lang. Wir nehmen Abschied vom Mutterleib, in dem es warm war und geborgen, und wir wachen auf in der neuen, hellen und kalten Wirklichkeit
des Erdenlebens, das mit neuen Formen der Geborgenheit gefüllt werden muss, damit wir uns
wohl fühlen.
Wir nehmen Abschied von der Kindheit, der Jugend und anderen Lebensabschnitten.
Wir nehmen Abschied jedes Jahr neu von den Jahreszeiten und ihren wunderbaren Besonderheiten, Schönheiten und Charakteristika.
Wir nehmen Abschied von den Eltern, von anderen geliebten Menschen, und am Ende nehmen wir Abschied von dieser Erde und allem, was wir hier zurücklassen, Geliebtem und Ungeliebtem.
Der Tod erscheint als der letzte Abschied, jedenfalls so weit wir blicken können. Und dass dieses Wort Abschied immer Tod oder ein Stück, eine Idee von ihm beinhaltet, gefällt uns heute oft überhaupt nicht. Wir wollen dieses Wort nicht hören, weil es uns daran erinnert, dass wir endlich sind, auf dieser Erde endlich sind, dass alles hier endlich ist, wir wollen dem Tod nicht begegnen. Wir machen die verrücktesten Verrenkungen, um ihn nicht sehen zu müssen, ihn zumindestens nicht bewusst wahrnehmen zu müssen: Nimm
lieber ein anderes Wort!
Jeder Abschied enthält einen größeren oder kleineren Tod, und er enthält etwas Neues, einen neuen Platz zum Leben, ein neues Lebensalter mit neuen Schwerpunkten und Perspektiven, eine neue Jahreszeit mit neuen Farben, Formen, Bildern und Gerüchen oder auch ein neues Leben ohne einen Menschen, von dem wir uns verabschiedet haben z.B. bei einer Trennung oder Scheidung oder von dem wir uns verabschieden mussten, wenn ein geliebter Mensch gestorben ist. Das neue Leben ist oft nicht einfach, wir müssen uns neu orientieren, vieles neu lernen, und oft zieht uns der Schmerz dabei tief hinunter, wollen wir vielleicht aufgeben und sehen oft lange Zeit nicht die Chance, die uns die neue Situation auch bietet, die wir ergreifen dürfen, leben dürfen, ohne den anderen vergessen zu müssen, denn die Liebe bleibt und damit tief in uns auch der geliebte Mensch. Nun sind wir auf dieser Welt sehr an die greifbaren, sichtbaren Dinge gebunden und die tiefe schlichte Erfahrung, dass niemand auf einer tieferen Ebene uns die Liebe nehmen kann, vergessen wir nur allzu oft oder nehmen sie nicht an.
Hier liegt der Trost, auch wenn der Schmerz bleibt.
Ich will gar nicht weiter auf all die möglichen Abschiede eingehen. Viele Aspekte, Gefühle und Geschichten zeigen uns die in diesem Band gesammelten Texte, Gedichte und Bilder.
Abschied findet überall auf dieser Welt statt, im Norden, im Süden, im Osten, im Westen, auf jedem Kontinent, in jedem Land, an jedem Ort in jeder Familie. Abschied kennt keine




Grenzen, keine Hautfarbe, keine Religion, kein Arm, kein Reich, kein Alt, kein Jung, kein Gut, kein Böse. Wertung ist ihm fremd. Vor dem Abschied sind wir alles gleich.
Das spiegelt sich auch in den vorliegenden Texten wider, mögen wir mit Abschied unterschiedlich umgehen. Ich finde es äußerst interessant, welche Wege Menschen dabei gehen bzw. gegangen sind. Abschied verbindet uns.
Wenn Sie die Texte lesen, lesen Sie sie mit Herz und Seele und räumen Sie Ihrem Verstand einmal weniger Platz ein, er neigt zu sehr zum Bewerten, zu einer intellektuellen Sichtweise. Qualität kann auch auf einer anderen Ebene sichtbar werden: in Authentizität, Echtheit und Offenheit. Lassen Sie sich erzählen, lassen Sie sich einfach ein.

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