Günter Ludwig

Das Porträt Gabriele, 2006 "Hände"


4347

Pieta

Nur wenig bewegt sich das sanft vibrierende Wasser.
Die übrige Welt scheint draußen zu bleiben,
außerhalb des Beckens.
Innere Bewegung,
wie Wellen ins Außen fortgesetzt.
So viel Nähe,
doppelt getragen
von dir und dem Wasser
schau ich dich an,
fühle mich tief gehalten und leicht,
wir verschmelzen
und ich weiß nicht mehr,
schau ich dich an
oder bin ich es selbst,
die mir entgegenblickt…

Gabriele Hindemitt-Ludwig 2004

4345

Heute Nacht hat es stark geregnet. So heftig, dass sie mehrmals aufgewacht ist von dem Geräusch des Regens, der an die Fensterscheiben trommelte. Als es Morgen war, blieb sie noch lange liegen, obwohl sie die Augen schon geöffnet hatte, denn sie war überzeugt, das Wetter sei immer noch schlecht, weil sie es so wollte.
Weiterhin die Wärme der Nacht, der Träume, des einlullenden schützenden Trommelns wie in einem Kokon aufnehmen, der sie vor dem Alltag schützte, vor den selbst auferlegten Pflichten, das wollte sie! Diese Pflichten waren ihr Korsett, die Disziplin ihr Geländer geworden. Und so hatten sie ihr nahezu unmerklich, aber stetig das Leben ausgesaugt, aus jeder Pore gezogen, bis sie nichts mehr wirklich spürte, und immer noch funktionierte.

Gabriele Hindemitt-Ludwig 2004, aus Skizzen der "Begegnungen"

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Verletzlich
offen, zart
liegt sie vor dir,
zum Greifen nah,
Begegnung sehnend.

Leg Hand an mich,
lass deine Zauberfinger gleiten.

Leg ab die äußere Hülle
blaurauer Härte.

Zeichne uns ein anderes Land
mit zarten Sinnesfarben.

Und schütze das,
was du geschaffen hast.

Gabriele Hindemitt-Ludwig 2005

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